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Ausgestaltung der Verordnung zu abschaltbaren Lasten (AbLaV)

Ein Anreizmechanismus zur flexiblen Abschaltung industrieller Verbraucher


Aufgrund der zunehmenden volatilen Stromeinspeisung Erneuerbarer Energien, der sich nur langsam erweiternden Netzkapazität und geringeren Einsatzzeiten flexibel regelbarer Kraftwerke, gerät die Ausregelung der Stromnetze über Regelenergie an einigen Stunden im Jahr an ihre Grenzen. Dies führt folglich zu Netzbelastungen bzw. einer Gefährdung der Versorgungssicherheit. Um zur Vermeidung dieser Netzengpässe auch nachfrageseitig beitragen zu können, hat die Bundesregierung im Dezember 2012 die „Verordnung über Vereinbarungen zu abschaltbaren Lasten“ (AbLaV) beschlossen.

Die Abschaltverordnung bewirkt, dass Lasten vom Netz genommen werden, um die Netzfrequenz zu stabilisieren. Die Bedingung, dass überhaupt Lasten „abgeworfen“ werden, ist also eine zu geringe Netzfrequenz infolge einer unerwartet hohen Nachfrage, eines Erzeugungsausfalls oder einer zu gering prognostizierten Erzeugung (z.B. durch Windkraft oder Photovoltaik).

Technische Voraussetzungen

Durch die AbLaV werden die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) verpflichtet einmal monatlich ein gemeinsames Ausschreibungsverfahren online durchzuführen, um insgesamt über eine Gesamtabschaltleistung von max. 3.000 MWel (§ 1 AbLaV) über den Zeitraum eines Monats zu verfügen. Zwischen dem ÜNB und dem Unternehmen mit erfolgreich präqualifizierten Anlagen wird anschließend ein Rahmenvertrag abgeschlossen. Die ausgeschriebene Gesamtabschaltleistung gliedert sich auf in 1.500 MWel sofort abschaltbare Lasten, die innerhalb von einer Sekunde, bei Unterschreiten einer vorgegebenen Netzfrequenz automatisch und unverzögert vom Netz genommen werden (Frequenzabschaltung), und 1.500 MWel schnell abschaltbare Lasten, die innerhalb von 15 Minuten durch den ÜNB geregelt ferngesteuert abgeschaltet werden (ferngesteuerte Abschaltung) (§ 8 Abs. 1 AbLaV und § 5 Abs. 1 Nr.2 AbLaV). Eine abschaltbare Last kann sowohl für nur eine als auch für beide Voraussetzungen registriert werden. Die angebotsfähigen Anlagen müssen mindestens an das 110 kV Netz angeschlossen (§ 2 Nr.1 AbLaV) und leistungsbezogen regelbar sein, sowie mindestens 50 MWel bis maximal 200 MWel Anschlussleistung (§ 10 Abs. 3 AbLaV) besitzen. Das Pooling von Anlagen ist nur zu Erreichung der Mindestgröße von 50 MWel innerhalb des Wirkungsbereichs eines Höchstspannungsknotens bzw. innerhalb einer Netzgruppe des gleichen Netzbetreibers zulässig (§ 6 Abs. 2, Abs. 3 AbLaV). Die Prüfung der Präqualifikation einer Verbrauchseinrichtung erfolgt durch den jeweiligen ÜNB, wo auch die benötigten Informationen und Unterlagen angefragt werden können. Jede abschaltbare Last muss einzeln für eine der möglichen Abrufoptionen präqualifiziert werden.

Dauer der Abschaltung

Es stehen drei verschiedene Abruf- bzw. Abschaltoptionen zur Auswahl, für die sich der Anbieter der abschaltbaren Last nach erfolgter Präqualifikation entscheiden muss (§ 5 Abs. 1 Nr.3 AbLaV). Die Summe der mindestens einzuhaltenden Abschaltmöglichkeit beläuft sich in jeder Option auf acht Stunden innerhalb von zwei Wochen bzw. auf 16 Stunden innerhalb des Erbringungszeitraums eines Monats (§ 5 Abs. 1 Nr.4 AbLaV). Generell muss die Abschaltleistung an allen Tagen bis auf maximal vier Tage eines Monats zur Verfügung stehen (technische Mindestverfügbarkeit) (§ 5 Abs. 1 Nr.5 AbLaV).

  1. Die Abschaltmöglichkeit für die Dauer von mindestens 15 Minuten zu einem erforderlichen Zeitpunkt sicherstellen. Dies kann mehrmals am Tag bis zur Summe von 60 Minuten pro Tag erfolgen. Wird die Dauer von einer Stunde pro Tag erreicht, müssen zwischen der Abschaltung an zwei Folgetagen mindestens 12 Stunden liegen. Diese Abrufoption muss mindestens viermal die Woche zur Verfügung stehen.
  2. Die Abschaltmöglichkeit für die Dauer von mindestens vier Stunden am Stück zu einem erforderlichen Zeitpunkt einmal innerhalb von sieben Tagen, mit einem Mindestabstand von 48 Stunden zwischen zwei Abschaltungen, sicherstellen.
  3. Die Abschaltmöglichkeit von mindestens acht Stunden am Stück zu einem erforderlichen Zeitpunkt einmal alle 14 Tage, mit einem Mindestabstand von sieben Tagen zwischen zwei Abschaltungen, sicherstellen.

Vergütung und Beispielrechnung

Anbieter der abschaltbaren Lasten erhalten einen abrufunabhängigen Leistungspreis in Höhe von 2.500 €/MWel/Monat für die reine Bereitstellung der Abschaltleistung. Der Arbeitspreis beträgt im Falle eines Abrufs 100 €/MWhel bis 400 €/MWhel (§ 4 Abs. 2, Abs. 3 AbLaV). Präzisere Ausführungen bzgl. des Zustandekommens des letztendlich gezahlten Arbeitspreises existieren derzeit nicht.

Ein Unternehmen mit einer erfolgreich präqualifizierten abschaltbaren Leistung von 70 MWel schließt auf Basis der AbLaV mit dem ÜNB einen Rahmenvertrag für den Monat Mai 2013 und der zweiten Abrufoption ab. Aufgrund einer hohen Nachfrage im Rahmen der Ausschreibung für Mai des ÜNB beträgt der Arbeitspreis 200 €/MWhel. Die Basisvergütung für das Unternehmen beträgt somit im Mai 2.500 €/MWel/Monat * 70 MWel = 175.000 €. Ausgehend von dem Fall, dass die angebotene Last für den Zeitraum von einer Stunde einmal innerhalb von sieben Tagen abgerufen wird, beläuft sich die arbeitsabhängige Vergütung im Mai auf 200 €/MWhel * 70 MWel * 4 Wochen * 1 Stunde wöchentlich = 56.000 €. Somit ergibt sich unter o. g. Voraussetzungen eine Gesamtvergütung von 231.000 € im Monat Mai. Falls die Abschaltdauer auf vier Stunden innerhalb von sieben Tagen steigt, ergibt sich eine Gesamtvergütung von 175.000 € + 200 €/MWhel * 70 MWel * 4 Wochen * 4 Stunden = 399.000 €.


Eine Checkliste zur Prüfung der Anlagentauglichkeit für eine Präqualifikation im Rahmen der AbLaV finden Sie hier:

Quellen und weitere Informationen:

Präqualifikationsanforderungen der Übertragungsnetzbetreiber:


Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Serafin von Roon, Dipl.-Ing. (FH) Anna Gruber