LEEN Vorarlberg - das erste Lernende Energieeffizienz-Netzwerk Österreichs

Entwicklung des Energiebedarfs im Industriebereich

abb1 300Vortrag bei der IEWT 2013 in Wien


Autoren:

Anna Gruber (1), Serafin von Roon (1), Dominik Bernhard (1), Gerhard Günther (2), Eberhard Jochem (3)

(1) FfE Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH
(2) Vorarlberger Kraftwerke AG
(3) Fraunhofer ISI


Motivation und zentrale Fragestellung

In der mittelständischen Wirtschaft besteht eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Energieeffizienz zu erhöhen. Dennoch wird dieses rentable Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz bei gleichzeitiger Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Außendarstellung häufig nicht im vollen Umfang realisiert. Gründe hierfür sind beispielsweise ein fehlender Marktüberblick in Folge vieler anderer Aufgaben der Energieverantwortlichen, hohe Such- und Entscheidungskosten oder Investitionsentscheidungen allein auf Basis der Amortisationszeit (einem Risiko-Mass). Um die bestehenden Hemmnisse abzubauen, wurde in der Schweiz das Konzept der lernenden Energieeffizienznetzwerke entwickelt und umgesetzt. Dieser methodische Ansatz kam in Deutschland erstmals 2002 zur Anwendung. In der Folge wurden bis heute knapp 60 Energieeffizienznetzwerke initiiert und im Jahr 2012 das erste lernende Energieeffizienz-Netzwerk Österreichs in Vorarlberg gestartet. Es stellt sich somit die Frage, inwiefern sich das LEEN-Konzept erfolgreich auf Österreich übertragen lässt und welche Einsparpotenziale durch Aufbau von Energieeffizienz-Netzwerke in Österreich in ähnlichem Umfang wie in der Schweiz (derzeit 70 Netzwerke) realisiert werden könnten.


Methodische Vorgangsweise

Lernende Energieeffizienz-Netzwerke setzen sich aus zehn bis 15 Unternehmen aus einer Region zusammen, die sich gemeinsam zum Ziel setzen, Energieverbrauch, -kosten und CO2-Emissionen zu senken [1].

Über die Projektlaufzeit von drei bis vier Jahren gibt es zwei inhaltliche Schwerpunkte in der Netzwerkarbeit. Zunächst wird die Initialberatung mit der Erfassung des energetischen Ist-Zustands jedes Betriebes individuell durchgeführt. Hierauf aufbauend werden Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Energieeinsparung beschrieben und berechnet. Parallel dazu beginnen die regelmäßigen Netzwerktreffen (Energieeffizienztische). Die Energieverantwortlichen aller am Netzwerk teilnehmenden Betriebe treffen sich alle drei bis vier Monate bei einem der Teilnehmer. Im Vordergrund der regelmäßigen Treffen steht der Erfahrungsaustausch mit den anderen Energieverantwortlichen. Detaillierte Einblicke liefert insbesondere der Rundgang im Betrieb des einladenden Unternehmens. Darüber hinaus tragen (externe) Fachleute zu jeweils einem zuvor von den Teilnehmern festgelegten Schwerpunktthema vor.

Initialberatung und Erfahrungsaustausch führen letztendlich dazu, dass die identifizierten Maßnahmen zur Energieeinsparung möglichst zügig und kostengünstig umgesetzt werden können.

Nach Abschluss der Initialberatungen wird auf Basis der identifizierten wirtschaftlichen Maßnahmen (i.d.R. interne Verzinsung größer 12 %) aller Teilnehmer für die gesamte Projektlaufzeit ein gemeinsames Energie- und CO2-Einsparziel für das gesamte Netzwerk definiert [2]. Beim jährlich stattfindenden Monitoring wird für jeden Betrieb dessen Energieeffizienzsteigerung ermittelt, woraus wiederum der Fortschritt der Zielerreichung der ganzen Gruppe berechnet wird.

Durch Teilnahme an einem LEEN werden im Betrieb nach Auswertungen des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung im Mittel etwa 2 bis 3 % Energieeffizienzsteigerung pro Jahr erreicht. Im Vergleich dazu erreichen Unternehmen über alle Branchen hinweg in Deutschland im Mittel knapp 1 % Effizienzsteigerung pro Jahr. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen in Deutschland initiierte die Vorarlberger Kraftwerke AG das erste LEEN in Vorarlberg.

Die Erfahrungen der FfE GmbH in drei Energieeffizienz-Netzwerken in Bayern haben gezeigt, dass die zentralen Dokumente und weiteren Hilfsmittel von LEEN sehr gut für den Aufbau und den Betrieb eines Energieeffizienz-Netzwerkes genutzt werden können [3]. Die FfE GmbH führt die Initialberatungen gemeinsam mit den energietechnischen Beratern der Vorarlberger Kraftwerke durch. Das erklärte Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, einen Wissenstransfer herbeizuführen, so dass weitere Netzwerke erfolgreich in Vorarlberg gestartet und umgesetzt werden können. Die Wirtschaftskammer Vorarlberg und die IREES GmbH stehen dem LEEN Vorarlberg unterstützend zur Seite. Die Moderation hat die Firma SmartBridge übernommen. In dem Netzwerk haben sich zwölf Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen zusammengefunden (vgl. Abbildung). Der Erfahrungsaustausch zwischen so unterschiedlichen Branchen funktioniert dennoch gut, da der Schwerpunkt der Initial-beratungen und der Fachvorträge bei den Querschnittstechnologien liegt, welche oft nicht im Fokus stehen.


Ergebnisse und Schlussfolgerungen

Am 17. April 2012 fand die Auftaktveranstaltung des ersten lernenden Energieeffizienz-Netzwerks Österreichs in Bregenz statt. Bis zum Frühjahr 2013 werden die Initialberatungen durchgeführt sein. Zur IEWT 2013 können somit die Zusammenfassungen der identifizierten Effizienzmaßnahmen für das Vorarlberger Netzwerk und 30 Netzwerke in Deutschland präsentiert werden.

Die ersten Betriebsbegehungen und Energieeffizienztische in Vorarlberg deuten darauf hin, dass in österreichischen Betrieben keine signifikanten strukturellen Unterschiede zu deutschen Unternehmen in Bezug auf die Netzwerkarbeit bestehen. Der um etwa ein Drittel geringere Strompreis in Österreich im Vergleich zu Deutschland führt zu keiner deutlichen Reduktion von wirtschaftlichen Maßnahmen, da viele der Maßnahmen in Deutschland eine interne Verzinsung aufweisen, die deutlich über den geforderten 12 % liegt.

Im Oktober 2012 konnten die Ergebnisse von 256 Berichten zu durchgeführten Initialberatungen aus 26 Netzwerken in Deutschland ausgewertet und zusammengefasst werden. Die folgenden Angaben stammen aus dem 30-Pilot-Netzwerke Magazin vom Oktober 2012 [4]. Von allen identifizierten Maßnahmen konnten 3.340 Maßnahmen wirtschaftlich mit Investitions- und Betriebskosten bewertet werden. 2.600 von diesen Maßnahmen weisen eine interne Verzinsung größer zwölf Prozent auf und werden daher als wirtschaftlich durchführbar eingestuft. Diese wirtschaftlichen Maßnahmen haben im Mittel eine interne Verzinsung von 36 % und amortisieren sich nach 2,8 Jahren (statische Berechnung).

Werden alle rentablen Maßnahmen umgesetzt, ergeben sich im Mittel in einem Betrieb Energieeinsparungen von 3.350 MWh/a und eine CO2-Minderung von 1.130 t/a. Durch die Gesamtinvestitionen von 600.000 € (Mittelwert über alle Betriebe und Maßnahmen) lassen sich die jährlichen Energiekosten um 216.000 € reduzieren. Aufgrund der ersten positiven Erfahrungen im LEEN Vorarlberg kann davon ausgegangen werden, dass weitere Lernende Energieeffizienz-Netzwerke in Österreich einen wesentlichen Beitrag zur Energie-, Kosten- und CO2-Einsparung leisten könnten.


Download des Posters zum Thema:


Literatur

[1] Jochem, E.; Köwener, D.; Gruber, A.: Energieeffizienz-Netzwerke – Beschleunigung des energietechnischen Fortschritts in der mittelständischen Industrie. IEWT 2011, Wien 2011

[2] Jochem, E.; Mai, M.: Vom einzelnen Betrieb zum gemeinsamen Handeln: Die Netzwerk-Teilnehmer setzen sich ihr Ziel. uwf 3-4; S. 24-32 DOI 10.1007/s00550-012-0244-1, 2012

[3] Gruber, A.; von Roon, S.; Schwentzek, M.; Fieger, C.: Energieeffizienznetzwerke in der Praxis. 12. Symposium Energieinnovation der TU Graz, Graz 2012

[4] 30 Pilot Netzwerke – Energieeffizientes Produzieren dank regionaler Vernetzung in: Magazin No. 2, S.6. Karlsruhe: Fraunhofer ISI, LEEN GmbH, 2012