FfE Logo
STARTSEITE / AKTUELLES / Veröffentlichungen / Lernende Energieeffizienz-Netzwerke (LEEN) – Ein Erfolgsmodell breitet sich aus

Lernende Energieeffizienz-Netzwerke (LEEN) – Ein Erfolgsmodell breitet sich aus

Erschienen in:

BWK Ausgabe 4/2014, S. 20 - 21

Autor:

Dipl.-Ing. Michael Kolb


In der Industrie ist erhebliches Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz vorhanden. Daher entscheiden sich immer mehr Unternehmen und Betriebe dafür, an sogenannten Lernenden Energieeffizienz-Netzwerken, kurz LEEN, teilzunehmen. Diese haben das Ziel, gemeinsam mit anderen Unternehmen den Energieverbrauch, die Energiekosten und gleichzeitig die CO2-Emissionen nachhaltig zu reduzieren.

foto1 345x205 foto2 308x205

Abb. 1: Betriebsbegehung (links) und moderierter Erfahrungsaustausch (rechts) im Rahmen eines Netzwerktreffens

Auf der Abschlusskonferenz des Projekts "30 Pilot-Netzwerke" hat Prof. Dr. Harald Bradke vom Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) am 19. Februar 2014 die in den vergangenen Jahren erzielten Ergebnisse eines Projektes vorgestellt, welches in Deutschland bis dahin einzigartig war.

An dem Projekt nahmen rund 360 Unternehmen in insgesamt 30 Lernenden Energieeffizienz-Netzwerken teil, um gemeinsam am effizienteren Einsatz von Energie innerhalb der Betriebe zu arbeiten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:

Mit durchschnittlich 10 % Energieeinsparung über die gesamte Laufzeit des jeweiligen Netzwerks tragen die teilnehmenden Betriebe überdurchschnittlich viel zur Energiekostensenkung und zur CO2-Minderung bei. Damit erreichen sie im Mittel eine mehr als doppelt so hohe Steigerung ihrer Energieeffizienz gegenüber dem Durchschnitt der Industrie.

 tabelle 600

Tab. 1: Auswertung der Initialberatungsberichte aus den 30 Pilotnetzwerken in Deutschland, Quelle: Fraunhofer ISI

Das Projekt wurde seit Ende 2008 vom BMU im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert und durch das Fraunhofer ISI wissenschaftlich begleitet. Die Durchführung erfolgt hierbei nach dem sog. LEEN-Managementsystem, das u.a. durch das Fraunhofer ISI entwickeltet wurde und bestimmte Qualitätsstandards für die Umsetzung eines Netzwerkes garantiert. Ein weiterer Vorteil dieser Standards ist die Anerkennung hinsichtlich vieler gesetzlicher Anforderungen, wie z.B. die Einführung der ISO 50001 oder Forderungen für den Erhalt des Spitzenausgleichs.

Die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) begleitete im Rahmen des geförderten Projektes insgesamt drei Lernende Energieeffizienz-Netzwerke. In allen Netzwerken war die FfE für die energietechnische Beratung zuständig, in einzelnen Netzwerken wurden auch die Funktionen des Netzwerkträgers und des Moderators übernommen.

Neben den derzeit noch erfolgreich laufenden Netzwerken "LEEN Chiemgau-Rupertiwinkel" und "LEEN Südbayern",  konnte das Netzwerk "LEEN München-Oberbayern" bereits mit einer erheblichen Effizienzsteigerung abgeschlossen werden. Der Erfolg überzeugte viele Unternehmen so sehr, dass bereits eine Fortführung über die eigentliche Projektlaufzeit hinaus über weitere drei Jahre gestartet wurde.

 grafik 600

Abb. 2: Energieverbrauchsentwicklung des Netzwerks München Oberbayern


Der Weg zu Energieeffizienzsteigerungen

Die notwendige Recherche für Energieeffizienzmaßnahmen erfordert in der Regel enorm hohe Such- und Entscheidungskosten, insbesondere für individuelle Lösungen in produzierenden Betrieben. Oftmals liegen innerhalb eines Unternehmens die Prioritäten auf den Produktionsprozessen oder es fehlt schlichtweg die Zeit, um Maßnahmen zu identifizieren und erfolgreich umzusetzen. Genau hier setzen die Lernenden Energieeffizienz-Netzwerke an und vereinfachen den Weg zur Energieeffizienzsteigerung:

Der Prozess beginnt mit einer Initialberatung, welche in allen teilnehmenden Betrieben durchgeführt wird. Dabei wird der energetische Ist-Zustand jedes Betriebes erfasst. Darauf aufbauend werden gemeinsam mit den jeweiligen Energieverantwortlichen Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und Energieeinsparung identifiziert und bewertet. Parallel dazu beginnen bereits regelmäßige Netzwerktreffen, die sogenannten Energieeffizienztische. Dazu treffen sich alle am Netzwerk teilnehmenden Betriebe etwa alle drei Monate abwechselnd bei einem der Unternehmen des Netzwerks. Besonderes Merkmal der regelmäßigen Treffen ist der professionell moderierte Erfahrungsaustausch mit den anderen Unternehmen einschließlich eines Rundgangs im Betrieb des einladenden Unternehmens.
Die Energieeffizienztische führen letztendlich dazu, dass die Energieverantwortlichen bei der Umsetzung der Maßnahmen voneinander lernen. Da der technische Schwerpunkt auf den Querschnittstechnologien (wie z.B. Druckluft, Beleuchtung, Lüftung etc.) liegt, stehen die Energieverantwortlichen aller Unternehmen vor nahezu den gleichen Fragestellungen. Fehlschläge können - ebenso wie Erfolge - lehrreich für die anderen Teilnehmer sein. Darüber hinaus tragen externe Experten zu jeweils einem zuvor von den Unternehmen festgelegten Schwerpunktthema bei den Energieeffizienztischen vor.

Über eine Projektlaufzeit von ca. drei Jahren haben so die Betriebe die Möglichkeit, enorm hohe Energieeinsparungen zu erzielen, welche in dieser Zeit ohne Netzwerkteilnahme nicht realisierbar wären.


Die Zukunft des Projekts

Die Verantwortlichen des Projekts sind überzeugt, dass bis zum Jahr 2020 bis zu 400 Lernende Energieeffizienz-Netzwerke nach dem LEEN-Standard in Deutschland entstehen können – bei veränderten energiepolitischen Rahmenbedingungen noch einige mehr. So begleitet die FfE außerhalb der 30 Pilotnetzwerke derzeit bereits zwei weitere Netzwerke. Auch im Nachbarland Österreich konnte das erste Netzwerk in Zusammenarbeit mit der Vorarlberger Kraftwerke AG erfolgreich gegründet werden. Zwei weitere österreichische Netzwerke sind derzeit mit Unterstützung der FfE im Aufbau. Der Netzwerkgedanke verbreitet sich auch immer weiter international. So sind etwa in China und Japan weitere Netzwerke nach dem LEEN® Standard im Aufbau.

Doch nicht nur eine geographische Ausbreitung dieser Idee ist derzeit zu beobachten. Vergleichbare Netzwerk-Konzepte werden mittlerweile auch in ersten Pilotprojekten für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs mit Energiekosten von bis zu 500.000 €) erfolgreich getestet. Aktuell befinden sich fünf solcher sogenannten Mari:e-Netzwerke (Mari:e steht für "Mach‘s richtig: energieeffizient") deutschlandweit in der Startphase.

Außerdem weitet sich der Netzwerk-Gedanke von Unternehmen hin auf ganze Kommunen bzw. Gemeinden aus. In einem sogenannten LEEN-Kommunal arbeiten Städte, Gemeinden oder Kommunen mit maximal 2 Mio. € Energiekosten gemeinsam an der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen.

Da die FfE derzeit sowohl klassische LEEN-Netzwerke begleitet, als auch eine Vielzahl an regionalen Energiekonzepten für Städte, Gemeinden und Kommunen erstellt, ist bereits für die nahe Zukunft die Initiierung von Kommunal-Netzwerken geplant.


Informationen zu Inhalten und Abläufen finden sie hier:


Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Michael Kolb, Dipl.-Ing. (FH) Anna Gruber