Energiewende in Kommunen


Erschienen in:

arcAKTUELL, Ausgabe 2/2014, S. 18 - 19


Autorin:

Dipl.-Geogr. Corinna Sophie Steinert



Die Energiewende in Deutschland findet auf vielen Ebenen statt. Besondern wichtig sind dabei Veränderungen von unten, also in Gemeinden, Landkreisen und Städten, unter Einbeziehung der ortsansässigen Bürger. Der Einsatz von Geoinformationssystemen kann hier einen wesentlichen Beitrag leisten, um Verständnis, Transparenz und Akzeptanz zu schaffen.


Energiekonzepte für Kommunen

Um die Energiewende weiter voranzubringen, wurden von Bund und Ländern Energiekonzepte (u. a. Energienutzungspläne und Integrierte Klimaschutzkonzepte) als Planungsinstrumente für Kommunen eingeführt, die immer häufiger genutzt werden1. Ein Energiekonzept hat das Ziel den Weg zu einer möglichst verbrauchsarmen, auf erneuerbare Energien gestützte, intelligente Energieversorgung im Untersuchungsgebiet aufzuzeigen. Nach einer Analyse des Ist-Zustands von Energieverbrauch und Energieerzeugung in der Kommune, werden Potenziale und Möglichkeiten einer Weiterentwicklung im Sinne der Energiewende untersucht. Im Ergebnis werden konkrete Maßnahmen zur Hebung der lokalen Potenziale aufgezeigt, die möglichst auch die regionale Wertschöpfung stärken sollen.


Komplexe Inhalte verständlich machen

Bei der Erstellung eines Energiekonzepts werden Geoinformationssysteme (GIS) vielfach eingesetzt. Dies hat den Vorteil, komplexe, energiewirtschaftliche Inhalte verständlich zu transportieren.
Ein Themenschwerpunkt in Energiekonzepten ist beispielsweise die Wärmeversorgung einer Kommune energetisch zu optimieren und möglichst regenerativ zu gestalten. Unter anderem müssen dazu diejenigen Siedlungsgebiete oder Gebäudekomplexe identifiziert werden, die einen besonders hohen Wärmeverbrauch aufweisen. Im Beispiel der Abbildung 1 wurde zunächst das Flächennutzungstypenkataster mit den Gebäudegrundrissen in ArcView 10 verschnitten. So konnte die Nutzungsart der Gebäude und Flächen identifiziert werden. Anschließend wurde das Ergebnis mit den zuvor ermittelten Wärmeverbräuchen pro Gebäude erneut verschnitten. Als Grundkarte dienten Luftbilder. Diese detaillierte Darstellung ermöglicht eine sehr genaue Analyse der lokalen Wärmeverbräuche auf Gebäudeebene und damit ein wertvolles Planungsinstrument für regenerative und effizientere Heizsysteme. In diesem Fall wurde die Möglichkeit eines Nahwämenetzes mit Hackschnitzelheizwerk geprüft, welches die größten Verbraucher plus weitere nahegelegene Gebäude verbindet.

 


Detaillierte räumliche Potenzialanalyse

Abgesehen von der reinen Darstellung werden GIS bei Energiekonzepten vor allem genutzt, um räumliche Analysen durchzuführen. Besonders für die Ermittlung der Ausbau-Möglichkeiten Erneuerbarer Energien (Potenzial-Analysen) spielt dies eine wichtige Rolle.

Abbildung 2 zeigt beispielhaft, wie geeignete Flächen für Windkraftanlagen mittels GIS identifiziert wurden. Sämtliche relevante Flächen, wie z.B. Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie Naturschutz- oder FFH-Gebiete, werden dafür zunächst übereinandergelegt. Gesetzlich vorgegebene Abstände zu diesen Flächen werden als "Puffer" berechnet und ebenfalls in die Analyse einbezogen. Schließlich ergeben sich daraus diejenigen "Restflächen", die für Windkraftanlagen grundsätzlich noch in Frage kommen. Diese wurden im Beispiel mit Daten zu durchschnittlichen Volllaststunden3 hinterlegt.

ffe cham windeignung

Abbildung 2: Eignungsflächen für Windkraftanlagen (Beispiel aus dem Energienutzungsplan des Landkreises Cham4)


Akzeptanz erhöhen – die Energiewende schaffen

Geförderte Energiekonzepte werden grundsätzlich veröffentlicht. Kartographisch aufbereitete Inhalte haben dabei eine wichtige Transportfunktion, da sie die komplexen Inhalte verständlich machen und räumlich verorten.
Im Idealfall werden die Ergebnisse der GIS-Analysen des Energiekonzepts zusätzlich über ein WebGIS veröffentlicht, auf das jeder Zugriff hat – wie z. B. das mit ArcGIS Server 10 umgesetzte GeoBIS des Landkreises Cham5. Dadurch werden die Ergebnisse des Energiekonzepts einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und deren Bekanntheitsgrad gesteigert. Die ortsansässigen Bürger können sich außerdem besser mit ihrer Region und damit dem Thema identifizieren. Dem häufigen Wunsch nach mehr Transparenz wird damit nachgegangen und darüber hinaus eine Basis geschaffen, die Akzeptanz für die spätere Umsetzung bestimmter Maßnahmen des Energiekonzepts (wie z. B. den Bau von Windkraftanlagen) zu erhöhen.

Die Energiewende in Deutschland kann nicht funktionieren, ohne die Kommunen und ihre Bürger aktiv einzubeziehen und zu informieren. Geoinformationssysteme können hier auf technischer sowie kommunikativer Ebene einen wertvollen Beitrag an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis leisten.

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1) Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH (FfE) (Hrsg.): Verbreitung von Energiekonzepten in Bayern
in: http://www.ffegmbh.de/kompetenzen/energiekonzepte/314-energiekonzepte-in-bayern
(Abrufdatum: 09.03.2014). München: Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH, August 2013

2) Stadt Nürnberg – Umweltamt (Hrsg.): Energienutzungsplan
in: https://www.nuernberg.de/internet/umweltamt/energienutzungsplan.html
(Abrufdatum: 11.03.2014). Nürnberg: Stadt Nürnberg – Umweltamt, 2014

3) Volllaststunden bezeichnen hier diejenige Anzahl an Stunden pro Jahr, in denen eine Windkraftanlage an einem bestimmten Standort mit seiner Nennleistung (z. B. 3 MW) läuft und damit seinen vollen Ertrag bringt.

4) Landkreis Cham (Hrsg.): Energienutzungsplan
in: http://www.kreiswerke-cham.de/Zukunftsbuero/Energienutzungsplan.aspx
(Abrufdatum: 11.03.2014). Cham: Landkreis Cham, 2014

5) Landkreis Cham (Hrsg.): Interkommunales Geographisches Informationssystem (GeoBIS-Cham)
in: http://www.landkreis-cham.de/IkGIS/GISimLandkreisCham.aspx
(Abrufdatum: 11.03.2014). Cham: Landkreis Cham, 2014


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