Anlagenflexibilität und ihr wirtschaftlicher Wert – ein methodischer Ansatz zur einheitlichen Bewertung

Veröffentlichung von Magnus Pielke, Tim Buber, Michael Hinterstocker und Serafin von Roon in der et - Energiewirtschaftliche Tagesfragen, Ausgabe 11, November 2014


Zusammenfassung:

Die Veränderung der Marktbedingungen erfordert eine Anpassung der Betriebsführung steuerbarer Stromerzeuger, um eine wirtschaftliche Betriebsführung zu gewährleisten bzw. zu optimieren.

Dabei kann die Anforderung an Flexibilität an eine Stromerzeugungsanlage mit Hilfe einer einfachen Optimierungsfunktion beschrieben werden:
Optimiere die Stromerzeugungserlöse auf Basis der zu erwartenden Marktpreise unter Berücksichtigung der technischen Restriktionen.

Aus diesem Ansatz lässt sich ableiten, dass Flexibilität in der Stromerzeugungswirtschaft als das Maß der Verschiebungsfähigkeit der ursprünglichen Stromerzeugung in Zeiten größtmöglicher Marktpreise verstanden werden kann. Diese Form der Definition unterstellt eine wirtschaftliche Optimierung und legt den Marktpreis als exogene, sich verändernde Randbedingung zu Grunde, an die sich die Stromerzeugung versucht anzupassen.

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Abbildung 1:  Zusammenhang von Erlös- und Flexibilitätsindex am Day-Ahead-Markt (links) sowie am Markt für Sekundärregelleistung (rechts)

Im Rahmen einer von der EWE AG beauftragten Studie der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) und enwida wurde diese Form der Flexibilitätsdefinition erarbeitet und für eine wirtschaftliche Bewertung verwendet. Das Ziel der Studie bestand in der Entwicklung eines einheitlichen Verfahrens zur wirtschaftlichen Bewertung der Flexibilität der Stromerzeugung verschiedener Stromerzeugungsanlagen und -anlagenkonfigurationen. Diese Ermittlung sollte als Entscheidungsgrundlage dienen, um Ertüchtigungen von Anlagen zur Flexibilisierung in der Stromerzeugung wirtschaftlich bewerten zu können.

Bei der Bewertung wurden verschiedene Vermarktungsoptionen berücksichtigt. Neben dem Day-Ahead-Energiehandelsmarkt fand auch der Sekundärregelleistungsmarkt Berücksichtigung. Am Beispiel einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (KWK-Anlage) wurde die Anlagenflexibilität ermittelt und im Rahmen einer Sensitivitätsanalyse mit verschiedenen technischen Anlagenkonfigurationen (endogene Veränderungen) auf ihre Robustheit hin untersucht.


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