Erlösmöglichkeiten für Flexibilität am Strommarkt – Aktualisierte Indikatoren bis erstes Halbjahr 2015

Sachstand: August 2015


Im Rahmen der Studie "Entwicklung der Erlösmöglichkeiten für Flexibilität auf dem Strommarkt" wurde 2014 in Zusammenarbeit mit der dena ein Index zur Beschreibung der Erlösmöglichkeiten für Flexibilität erarbeitet. Dieser umfasst zwölf auf Marktdaten basierende Indikatoren zur Beschreibung von Flexibilität an den Spotmärkten. Dabei wurden die folgenden vier Aspekte von Flexibilität unterschieden:

  • Flexibilität zum Ausgleich von Preisunterschieden
  • Flexibilität zur preisabhängigen Leistungsbereitstellung
  • Flexibilität zur Bereitstellung von Leistungsgradienten
  • Flexibilität zur kurzfristigen Bereitstellung von Leistung

Für diese vier verschiedenen Aspekte kann jeweils ein Maß für Angebot, Bedarf und Erlöspotenzial berechnet werden und es ergeben sich somit zwölf Einzelindikatoren. Vier dieser Indikatoren werden ausgewählt und zu einem Index kombiniert, der die Erlösmöglichkeiten zusammenfassend abbildet. Die Indikatoren werden jeweils für den Zeitraum eines Halbjahres berechnet.

Bei der Erstellung der Studie waren die zu Grunde liegenden Daten bis einschließlich des ersten Halbjahrs 2014 verfügbar. Es liegen inzwischen die Daten eines weiteren Jahres vor, die zur Berechnung der Kennzahlen genutzt werden können. Deshalb werden diese im Folgenden um die das zweite Halbjahr 2014 (II/14) und das erste Halbjahr 2015 (I/15) ergänzt dargestellt.

Der kombinierte Flexibilitätsindex, der die Aspekte des Erlösanreizes und des Bedarfs auf den Märkten Day-Ahead und Intraday zusammenfasst, ist in Abbildung 1 dargestellt. In der bisherigen Auswertung bis zum ersten Halbjahr 2014 konnte ein starker Einbruch im letzten betrachteten Halbjahr festgestellt werden. Die erweiterte Auswertung zeigt, dass der kombinierte Index zwar wieder leicht angestiegen ist, aber auch weiterhin auf vergleichsweise niedrigem Niveau verbleibt. Das derzeitige Marktumfeld honoriert demnach Flexibilität seit etwa eineinhalb Jahren deutlich weniger als in der Vergangenheit.

index 300

Abbildung 1: Zeitliche Entwicklung des Flexibilitätsindex

Die weitergeführte Entwicklung der einzelnen Indikatoren zur Bewertung der verschiedenen Aspekte von Flexibilität ist in Abbildung 2 dargestellt. Hinsichtlich des Ausgleichs von hohen und niedrigen Preisen bleiben alle Indikatoren in den beiden zusätzlich betrachteten Halbjahren etwa auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2014. Auch der Erlösanreiz für preisabhängige flexible Leistung (Nutzen von hohen besonders hohen oder negativen Preisen) ist seitdem konstant niedrig. Das Angebot an Flexibilität steigt hingegen gemäß dem Trend der Vorjahre weiterhin an. Ebenso nimmt das Angebot an flexibler Leistung bei hohen Residuallast-Gradienten weiter zu. Allerdings kann immer noch kein eindeutiger Erlösanreiz für die Bereitstellung von Leistung bei hohen Residuallast-Gradienten festgestellt werden, weshalb dieser Aspekt auch weiterhin nicht im kombinierten Flexibilitätsindex berücksichtigt wird. Die mittlere Differenz zwischen Intraday- und Day-ahead-Preis, die als Indikator für die Erlösmöglichkeiten durch kurzfristige Flexibilität herangezogen wird, ist in den letzten drei Halbjahren deutlich niedriger als im vorangehenden Zeitraum. Dass für die kurzfristige Leistungsbereitung im Intraday-Markt im Mittel kein wesentlicher Preisaufschlag durchgesetzt wird, konnte in einer weiterführenden Untersuchung gezeigt werden. Eine verbesserte Prognose der Einspeisung der erneuerbaren Energien und eine erhöhte Liquidität im Intraday-Markt, z. B. durch die Einführung der Intraday-Auktion, können mögliche Gründe für die geringeren Preisdifferenzen zwischen Day-Ahead- und Intraday-Markt sein.

 Aspekte
 von
 Flexibilität 
Ausgleich von
hohen und
niedrigen Preisen
Preisabhängige
Bereitstellung
von Leistung
Bereitstellung
von Leistungs-
gradienten
Kurzfristige
Bereitstellung
von Leistung
 Bedarf  1 140  2 140  3 140
 Erlösanreiz  5 140  6 140  7 140  8 140
 Angebot  9 140  10 140  11 140

Abbildung 2: Übersicht der Indikatoren

Insgesamt zeigt die aktualisierte Auswertung, dass der festgestellte Rückgang des Flexibilitätsindex im ersten Halbjahr 2014 nicht aus zufälligen Schwankungen resultiert, sondern auch in den folgenden beiden Halbjahren bestätigt wird. Dies zeigt, dass die Erlösmöglichkeiten für Flexibilität im Strommarkt derzeit deutlich niedriger sind als vor drei bis vier Jahren.

Die Annahmen und Auswertungen, welche die Grundlage der hier veröffentlichten Indikatoren darstellen, können der Studie "Entwicklung der Erlösmöglichkeiten für Flexibilität auf dem Strommarkt" entnommen werden.


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