Landkreis Cham - Energienutzungsplan

Kurzbericht

Zusammenfassung/Abstract

Wappen LkrCham 140Der Landkreis Cham hat einen Energienutzungsplan in Auftrag gegeben, mit dem Ziel, die Energiewende im Landkreisgebiet voranzubringen. Das vorliegende Konzept des Energienutzungsplanes beinhaltet eine umfassende Ist-Zustands-Analyse des Strom- und Wärmeverbrauchs sowie der Anteile erneuerbarer Energien. Anschließend werden Energieeinspar- und Energieeffizienzpotenziale sowie die Potenziale zum Ausbau erneuerbarer Energien dargestellt. Daraus abgeleitet ergeben sich die CO2-Bilanz und mögliche Emissionseinsparungen. Als Ergebnis des Konzeptes werden die erforderlichen Maßnahmen in einem Katalog zusammengefasst und deren Ziele und Umsetzungsnotwendigkeiten beschrieben.


1. Allgemeiner Kontext und Zielsetzung

Bayern hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2021 rund 50 % des Stromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien zu beziehen und die CO2-Emissionen bis 2020 auf unter sechs Tonnen pro Kopf zu senken /STMWIVT 01 11/. Für die Umsetzung dieser Ziele werden auch auf kommunaler Ebene Ansätze zur Energiewende notwendig.

Der Landkreis Cham ist in den Bereichen Energieeinsparung, Energieeffizienz und Einsatz erneuerbarer Energien schon weit vorangeschritten. Besonders hervorzuheben sind die Bemühungen des "Zukunftsbüros Cham". Hier können sich die Bürger bereits über Fördermöglichkeiten informieren und Energieberatungsleistungen in Anspruch nehmen. Durch das Zukunftsbüro wurde unter anderem auch die Entstehung von 26 Bürgersolaranlagen begleitet.

Das Energieentwicklungskonzept soll als wertvolles kommunales Planungsinstrument dienen und wird mit dem Ziel erstellt, eine möglichst verbrauchsarme, auf erneuerbare Energien gestützte, intelligente Energieversorgung im Landkreis Cham zu ermöglichen. Dabei wird der Einsatz unterschiedlicher Technologien zur Minderung der CO2-Emissionen optimal aufeinander abgestimmt, um im Landkreis eine regionale und CO2-arme Energieversorgung zu erreichen.


2. Konzeption des Energienutzungsplans

Zunächst wird eine grundlegende Charakterisierung des Untersuchungsgebietes und der Verbrauchergruppen vorgenommen. Anschließend findet eine detaillierte Analyse des Ist-Zustandes auf Landkreis- und Gemeindeebene statt. Dabei werden die aktuellen Energieverbrauchsdaten (Wärme, Strom, Kraftstoff) gesammelt, validiert und geographisch aufbereitet.

Im nächsten Schritt werden Einsparpotenziale für die einzelnen Sektoren Haushalte, Gewerbe, kommunale Liegenschaften, Landwirtschaft sowie Industrie und Verkehr ermittelt und die Möglichkeiten zur Erzeugung regenerativer Energie bestimmt. Im Anschluss werden Möglichkeiten zur Reduktion des Primärenergieverbrauchs und der Steigerung der Energieeffizienz aufgezeigt. Des Weiteren werden die Bereitstellung und der Ausbau von regenerativen Energien, wie zum Beispiel die Nutzung von Windkraft und Photovoltaik, detailliert untersucht.

Aus der Kombination von aktuellem Verbrauch und erhobenen Effizienz- und Erzeugungspotenzialen können im dritten Schritt die einzelnen Maßnahmen abgeleitet und mit dem Landkreis abgestimmt werden.

Die drei Meilensteine eines Energienutzungsplans:

  • Bestands- und Potenzialanalyse
  • Konzeptentwicklung und Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs
  • Umsetzung der Maßnahmen

Während des gesamten Projektes wurden Geoinformationssysteme (ArcView 10) zur Darstellung und Analyse von energierelevanten Daten verwendet. Der Landkreis Cham besitzt bereits ein umfangreiches WebGIS, das „GeoBIS Cham“. Seitens des Landkreises ist geplant, die im Rahmen des ENP erstellten Geodatenmaterialien in das bereits bestehende WebGIS zu integrieren und es damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.


3. Ergebnisse

Es werden im Folgenden ausgewählte Ergebnisse des Energienutzungsplanes zusammengefasst:

Anteile erneuerbarer Energien

In Abbildung 3-1 wird die Aufteilung des Strom- und Wärmeverbrauchs nach Energieträgern im Landkreis Cham deutlich. Die Anteile der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch liegen bei 43 %. Wärmeseitig ist erkennbar, dass, neben Öl und Gas, große Teile durch die Verbrennung von Festbrennstoffen und Fernwärme bereitgestellt werden.

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Abbildung 3-1:
Anteile erneuerbarer Energien am Stromverbrauch 2011, nach /LKCHAM 02 12/ und Wärmeverbrauch nach Energieträgern, eigene Berechnungen nach /BAFA 07 12/, /EON 01 11/, /LKCHAM 01 06/, /LKCHAM 04 12/, /LKCHAM 06 12/

Öffentliche Liegenschaften

Den öffentlichen Liegenschaften kommt im Rahmen eines Energiekonzeptes immer eine besondere Bedeutung zu. Sie gelten als Objekte mit Vorbildfunktion und können damit einer beispielhaften Umsetzung von Energieeinsparmaßnahmen dienen. Abbildung 3 2 zeigt den Strom- und Wärmeverbrauch der gemeindlichen und der landkreiseigenen Liegenschaften im Vergleich (Stand: 2011). Es wird deutlich, dass auch hier der Wärmeverbrauch deutlich stärker ins Gewicht fällt als der Stromverbrauch. 

abb 3-2 350

Abbildung 3-2:
Strom- und Wärmeverbrauch der öffentlichen Liegenschaften, nach /GEMCHAM 01 12/, /LKCHAM 06 12/

Fortschreibung der Verbräuche

Welche Einsparungen möglich sind und welche Maßnahmen auch in Zukunft noch wirtschaftlich darstellbar sind, kann über Szenarien und eine entsprechende Fortschreibung der Verbräuche festgestellt werden.

Abbildung 3-3 zeigt die Entwicklung des Wärmeverbrauchs gemäß den Fortschreibungsszenarien 1 und 3. Hier kann, im Gegensatz zum Strom, bereits im Kontinuitätsszenario ein Rückgang verzeichnet werden. Allein schon die Einhaltung der bestehenden Sanierungsrichtlinien (EnEV) und eine ähnliche Sanierungsquote wie bisher könnten dies erreichen. In den Szenarien 2 und 3 ist eine wesentlich höhere Energieeinsparung im Vergleich zum Ist-Zustand möglich. Ebenso wie beim Strom spielt hier in erster Linie der technische Fortschritt die entscheidende Rolle, während das Nutzerverhalten nur noch einen relativ kleinen Anteil an Einsparung realisieren kann.

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Abbildung 3-3:
Fortschreibung Wärmeverbrauch - Szenario 1 und 3, eigene Berechnungen nach /FFE-25 09/

Potenziale der erneuerbaren Energien

Im Rahmen des Energienutzungsplanes wurden die Potenziale für Biomasse, Photovoltaik und Solarthermie sowie Windkraft ermittelt.

Abbildung 3-4 zeigt die Windeignungsflächen im Landkreis Cham. Dargestellt sind nur diejenigen Flächen, die als Eignungsfläche identifiziert wurden. Diese wurden zusätzlich mit den Volllaststunden – berechnet nach der Weibull-Verteilung der Windgeschwindigkeiten hinterlegt. Schraffierte Eignungsflächen liegen innerhalb von Waldgebieten. Dies trifft auf über 90 % der Eignungsflächen zu. Grundsätzlich muss daher in jedem Fall über den Bau von Windkraft in Waldgebieten nachgedacht werden.

Die dargestellten Windeignungsflächen entsprechen in Summe rund 8.900 ha. Um ein Potenzial für den Landkreis auszuweisen wird angenommen, dass diese Eignungsfläche komplett mit einer mittleren Leistungsdichte von 0,15 MW/ha bebaut wird. Dies ergibt ein technisches Potenzial auf allen Eignungsflächen von 1.334 MW. Unter Annahme einer durchschnittlichen Volllaststundenzahl von 1.500 h pro Jahr würde ein jährlicher Stromertrag von über 2.000 GWh/a abfallen.

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Abbildung 3-4:
Windeignungsflächen, eigene Darstellung nach /CLC 01 09/, /DWD 02 12/, /LKCHAM 13 12/

CO2-Bilanzierung

In einem Energienutzungsplan ist die CO2-Bilanzierung ein wesentlicher Punkt. Von 2010 bis 2030, im Falle des günstigsten Verbrauchsszenarios 3 (Reduktion des Stromverbrauchs durch Technik und Umweltbewusstsein), reduzieren sich die CO2-Emissionen von über 200.000 t auf knapp 32.000 t (vgl. Abbildung 3-5). Der Anteil der erneuerbaren Energien an den Emissionen steigt dabei deutlich an.

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Abbildung 3-5:
CO2-Emissionen aus Strom 2010 und 2030, eigene Berechnungen nach /LKCHAM 02 12/, /ÖKO-01 12/

Wirkungskreis und Maßnahmen

Grundsätzlich hat der Landkreis nur beschränkt direkte Einflussmöglichkeiten auf energierelevante Aktivitäten. Unmittelbar kann er nur in seinen eigenen Handlungsfeldern tätig werden (vgl. Abbildung 3 6). Dazu gehören zum Beispiel die landkreiseigenen Liegenschaften. Über die sehr gute Zusammenarbeit mit den Kreiswerken Cham besteht außerdem der Vorteil einer direkten Beteiligung bzw. des Anschubs zum Bau erneuerbarer Energie-Anlagen. Zusätzlich kann der Landkreis jedoch immer auch politischen Einfluss nehmen und als Aktivator, Motivator und vor allem als Vorbild fungieren.

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Abbildung 3-6:
Wirkungskreise eines Landkreises

Auswahl einiger wichtiger Maßnahmen

  • Sanierung der landkreiseigenen Liegenschaften
  • Fuhrpark-Umstellung auf Elektromobilität (Fahrzeuge des Landkreises)
  • Ausbau der Internetplattform „GeoBIS Cham“
  • Einrichtung eines Energiemanagements
  • Erschließung des Windenergiepotenzials
  • Landkreis unterstützt die Gemeinden
  • Energieeffizienz in Betrieben (Effizienz-Netzwerke)
  • Ausbau von Fernwärmenetzen

 

Projektabschluss:   Mai 2013

Projektpartner:

 

 

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