Wärmewende in München 2040 – Handlungsempfehlungen

Die FfE hat im Auftrag der Stadtwerke München die aktuelle Wärmeverbrauchsstruktur des Münchner Wohngebäudebestands untersucht. Hierbei stand nicht eine detaillierte quantitative Analyse im Fokus, sondern die Herleitung von grundsätzlichen Maßnahmen und Handlungsempfehlungen wie die Klimaziele für die Stadt München bis 2040 erreicht werden können. Zunächst wurde eine Emissionsbilanz für den aktuellen Wohngebäudebestand durchgeführt. Zur Bewertung von Maßnahmen wurden dann im zweiten Schritt die Gebäude so in Gruppen (Cluster) zusammengefasst, dass in etwa die gleichen Maßnahmenpakete für die Gebäude innerhalb eines Clusters angewendet werden konnten. Vier übergeordnete Maßnahmen wurden identifiziert und acht Maßnahmen für die fünf Gebäudecluster quantifiziert. In zwei Szenarien – ambitioniert und forciert – wurde die potenzielle Reduktion der CO2-Emissionen bis 2040 abgeschätzt. Zusätzlich wurde ein Zielszenario mit entsprechenden Maßnahmen berechnet, das den notwenigen Einsparungen des Münchner Klimaschutzziels entspricht.

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Abbildung 1: Betrachtete Maßnahmen in den drei Szenarien

Die Ergebnisse zeigen, dass im Falle einer Fortschreibung der bisherigen Anstrengungen (ambitioniertes Szenario) das Klimaziel der Stadt deutlich verfehlt wird. Selbst bei optimistischen, aber noch realisierbaren Annahmen (forciertes Szenario), verbleibt eine Lücke. Das Zielszenario kann unter heutigen Rahmenbedingungen nicht erreicht werden.


Ergebnisse

Im Jahr 2014 betrugen die wärmebedingten CO2-Emissionen des Münchner Gebäudebestands 2,8 Mio. t. Die Aufteilung nach Gebäudetyp und Energieträger ist Abbildung 2 zu entnehmen.

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Abbildung 2: Gebäudeheizung gesamt – CO2-Emissionen nach Gebäudetyp und Energieträger

Im September 2017 wurde das "Szenario Klimaneutrales München" aus der Studie "Klimaschutzziel und -strategie München 2050" des Öko-Instituts  vom Stadtrat beschlossen. Daraus lässt sich ableiten, dass die wärmebedingten CO2-Emissionen (Raumwärme und Warmwasser von privaten Haushalten) zwischen 2014 und 2040 um etwa 70 % reduziert werden müssen. Um dieses Ziel erreichen zu können, sind erhebliche Einsparungen notwendig.

Zunächst wurden übergeordnete Lösungen identifiziert, welche übergreifend auf alle analysierten Gebäudegruppen anzuwenden sind:

  1. Unnötigen Energieverbrauch vermeiden – zielgerichtete Sanierung
  2. Einsatz Erneuerbarer Energien – regionale Potenziale nutzen
  3. Verbleibenden Verbrauch optimieren – smarte Lösungen durch Digitalisierung
  4. Die Energiewende ganzheitlich denken – Flexibilität durch Sektorkopplung

80 % der CO2-Emissionen werden durch Wohngebäude (Ein- und Mehrfamilienhäuser) verursacht. Daher lag der Fokus der folgenden Analysen auf diesem Sektor. Zusätzlich wurden Maßnahmen zur CO2-Reduktion für Neubauten, Arealkonzepte und Gewerbegebäude qualitativ untersucht.

Zur Ableitung spezifischer Lösungen für einzelne Gebäudegruppen wurde der Münchner Wohngebäudebestand nach Wärmeenergieträger (Fernwärme, Heizöl und Erdgas), Gebäudetyp (Ein- und Mehrfamilienhäuser) und verfügbarer Infrastruktur (Fernwärmenetz vorhanden) in insgesamt fünf Gruppen unterteilt. Abbildung 3 gibt einen Überblick über die analysierten Maßnahmen je Gebäudegruppe.

Abbildung 3 Analysierte Maßnahmen je Gebäudegruppe

[1:] Diese Maßnahmen werden nur im Zielszenario berücksichtigt
[2:] Im ambitionierten und forcierten Szenario werden Wärmepumpen nur für den Einsatz in Einfamilienhäusern untersucht, im Zielszenario auch in Mehrfamilienhäusern außerhalb des Fernwärmegebiets

Abbildung 3: Analysierte Maßnahmen je Gebäudegruppe

Zur Berechnung der möglichen CO2-Einsparungen bis 2040 mussten für die einzelnen Maßnahmen jährliche Umsetzungsraten festgelegt werden. Hierbei wurden drei Szenarien unterschieden: Das „ambitionierte Szenario“ geht von einer Beibehaltung der aktuellen Umsetzungsraten bis 2040 aus. In diesem Szenario können im Jahr 2040 Einsparungen in Höhe von 740.000 t CO2 (-34 %) gegenüber dem Referenzjahr 2014 realisiert werden. Zusätzlich wurde ein „forciertes Szenario“ untersucht, in dem die Umsetzungsraten so hoch wie möglich gewählt werden, um den Einfluss der Verschärfung der Maßnahmen auf die CO2-Einsparung aufzuzeigen. Die CO2-Reduktionen können so noch einmal deutlich auf 1,2 Mio. t CO2 (-54 %) gesteigert und damit die Lücke zum abgeleiteten Ziel 2040 verringert, aber noch nicht geschlossen werden. Schließlich wurde ein „Zielszenario“ analysiert, in dem die angestrebte Reduktion der CO2-Emissionen um 70 % erreicht werden kann. Hier wurden zusätzlich der Ausbau der Fernwärme, der verstärkte Einsatz von Wärmepumpen sowie die Beimischung von erneuerbaren Gasen im Erdgasnetz angenommen. Die angenommenen Entwicklungen und resultierenden CO2-Einsparungen sind unter den heutigen Rahmenbedingungen jedoch nicht zu erwarten.

Abbildung 4 fasst die CO2-Emissionen des Jahres 2014 sowie die Ergebnisse der drei Szenarien zusammen.

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Abbildung 4: CO2-Emissionen der Münchner Wohngebäude im Jahr 2014 und Reduktion bis 2040 in den drei Szenarien

Die Ergebnisse zeigten, dass erhebliche Anstrengungen notwendig sind. Zur Umsetzung der Wärmewende in München wurden aus der Studie zehn Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Übergeordnete Handlungsempfehlungen:

  1. Akzeptanz schaffen
  2. Ressourcen effizient einsetzen – möglichst günstig maximale CO2-Einsparung erreichen
  3. Konkurrenzfähigkeit der priorisierten Lösungen sicherstellen
  4. systemisch und zukunftssicher denken
  5. ganzheitlich und vorausschauend umsetzen
  6. regionale Besonderheiten berücksichtigen
  7. offen sein für Innovationen

Konkrete Handlungsempfehlungen:

  1. In Fernwärmegebieten den Anschlussgrad und den Beitrag der Geothermie erhöhen Im gesamten Stadtgebiet sanieren.
  2. Außerhalb der Fernwärmegebiete: Heizöl ersetzen, Solarthermie und Effizienztechnologien einsetzen und mit Arealkonzepten Synergien heben. Zusätzlich ist ein Ausbau des Fernwärmegebietes notwendig, wenn die Klimaschutzziele der Stadt München erreicht werden sollen.
  3. Im gesamten Stadtgebiet zielgerichtet sanieren.

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