100 Tage Intraday-Auktion an der EPEX-SPOT (19.03.2015)

München, 19. März 2015

Am 09.12.2014 wurde an der Strombörse EPEX-SPOT eine Intraday-Viertelstunden-Auktion eingeführt. Diese tägliche Auktion erlaubt den Handel von elektrischer Energie für jede Viertelstunde des folgenden Tages. Da dieser Handel der Day-ahead-Auktion nachgeschaltet ist, werden diese Handelsgeschäfte bereits dem Intraday-Handel zugerechnet. Bereits drei Jahre zuvor wurde das Viertelstundenprodukt an der Strombörse im sogenannten kontinuierlichen Handel eingeführt. Grund für die Einführung dieses zusätzlichen Viertelstundenhandels ist die zunehmende Notwendigkeit die Unterschiede zwischen den viertelstündlichen und mittleren stündlichen Leistungswerten auszugleichen. Mit der zusätzlichen Auktion sollten eine bessere Planbarkeit und eine höhere Liquidität im Markt erreicht werden.

Die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH hat gemeinsam mit der Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V. 100 Tage nach Handelsbeginn eine erste Bilanz gezogen. Aus den Marktdaten lassen sich bereits eindeutige Trends ableiten. Es wird deutlich, dass der Handel der Viertelstundenauktion kontinuierlich wächst (siehe Abbildung 1). Seit Anfang März liegen die Handelsvolumina der Intraday-Auktion in der Größenordnung des kontinuierlichen Handels.

Abb-1 Handelsvolumina 430Abbildung 1:  Entwicklung der täglichen viertelstündlichen Handelsvolumina

Eine der Intentionen der Einführung der Auktion von Viertelstundenprodukten war es, die Preis-Spreads zu verringern, die aus den beschriebenen Leistungsabweichungen innerhalb einer Stunde resultieren. Dies ist nach einer Auswertung der ersten Handelstage gelungen. In Tabelle 1 sind für verschiedene Zeiträume die Mittelwerte der maximalen Preisunterschiede der Viertelstundenpreise aufgezeichnet, die innerhalb eines Stundenintervalls auftreten.

Tabelle 1:  Maximale Abweichungen der Viertelstundenpreise in einem Stundenintervall, Mittelwert über Zeitraum

Tab-1 Viertelstundenpreise

Es wird deutlich, dass seit der Einführung der Intraday-Auktion für den 10.12.2014 der maximale Spread im kontinuierlichen Intraday-Handel gesunken ist. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Schwankung der Preise innerhalb einer Stunde reduziert werden konnte. Der mittlere maximale Spread der Viertelstundenpreise der Intraday-Auktion liegt deutlich unter dem Wert, der sich für den Zeitraum vor Einführung des Handels ergibt. Der Unterschied der maximalen Spreads zwischen kontinuierlichem Intraday-Handel und der Intraday-Auktion ist nochmals stärker. Dies bedeutet, dass innerstündliche Preisschwankungen in der Intraday-Auktion weniger extrem ausfallen, als sie es im kontinuierlichen Handel tun.

Eben beschriebener Zusammenhang wird auch deutlich, wenn die mittleren Preise betrachtet werden. Abbildung 2 zeigt den Verlauf der Börsenpreise von Day-ahead- und Intraday-Auktion sowie den gewichteten mittleren Preis des kontinuierlichen Intraday-Handels. Auffällig werden durch diese Betrachtung die systematischen Muster von Preisspitzen und -tälern innerhalb eines Stundenintervalls, die sich fast in jeder Stunde wiederholen. Zunächst kann nicht festgestellt werden, dass die Preisschwankungen bei der Auktion immer geringer als beim kontinuierlichen Handel sind. Dies ist nur am Vormittag (8:00 bis 12:00 Uhr) zu sehen. Es wird deshalb vermutet, dass systematische Unterschiede der gehandelten Mengen hierzu führen können.

Abb-2 Mittlere BoersenpreiseAbbildung 2:  Mittlere Börsenpreise seit Einführung der Intraday-Auktion für Viertelstundenprodukte

Aus diesem Grund werden in Abbildung 3 die Anteile der unterschiedlichen Viertelstunden-Volumina am gesamten Volumen der jeweiligen Stunde dargestellt. Es wird hier nochmal verdeutlicht, dass jeweils zur ersten und zur vierten Viertelstunde eine erhöhte Handelsaktivität festgestellt werden kann. Dies rührt vermutlich daher, dass zu diesen Stunden die Abweichung der viertelstündlichen Prognosewerte gegenüber dem durch den am Day-ahead-Markt gehandelten Stundenmittelwert maximal ist (vgl. Abbildung 4).

Abb-3 Anteil HandelsvoluminaAbbildung 3:  Anteile der viertelstündlichen Handelsvolumina am Stundenvolumen

Somit existiert zu diesen Zeitpunkten ein erhöhter Bedarf an Energie, um Abweichungen, beispielsweise im Bilanzkreis, auszugleichen. Die Mengen, die jeweils auszugleichen sind, sind jeweils grün für Mehrmengen und rot für Fehlmengen aufgezeichnet. Beide Flächen sind jeweils deckungsgleich. Bei Viertelstundengeboten (schraffierte Flächen) sind die Abweichungen jedoch deutlich geringer als bei Stundengeboten (ausgefüllte Flächen).

Abb-4 Abweichung ViertelstundenwerteAbbildung 4:  Beispielhafte Abweichung von Viertelstundenwerten und von Stundenmittelwerten

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Intraday-Viertelstundenauktion gut angenommen wird, die Problematik innerstündlicher Preis-Spreads verringert werden konnte, aber immer noch merklich vorhanden ist.

Weitere Informationen:

Umstellung der Vorlaufzeit des kontinuierlichen Intraday-Handels auf 30 Minuten.